Medien und Bühne – Improtheater mit Twitter

5 Mai

Zum Medienfestival transmediale 2012 haben wir das Medium Internet direkt mit auf die Theater-Bühne in der c-base geholt. Impro mit Twitter – wie funktionierte das?

Impro-Theater mit Twitter-WallKern der Idee des Formats Im/probabilities war das Experimentieren mit starkem Einsatz von digitalen Medien. Die Bühnenrückseite diente dabei als Screen, den der Moderator mit zu bespielen hatte. Bei der Einbindung von Twitter nutzten wir als erstes ein trending Topic aus Deutschland, um damit eine Szene zu beginnen. Das ist solide und generiert eine möglicherweise sehr zeitgeschehensnahe Szene.

Etwas länger überlegt hatten wir an dem Thema, wie ein Tweet exakt der Abschlußsatz einer Szene sein könnte. Da die formale Ausprägung von Tweets sogar eher selten einem Szenenende entspricht, wenn es denn überhaupt zum gesprochen werden geeignet ist, haben wir etwas eingegrenzt. So sind wir auf Grimme-Online- Award-Preisträger Florian Meimberg  und seine @tiny_tales gekommen. Die Vorgaben waren aber so stark, dass sie für ein Geschichtenende fast verschenkt wären. Also taten wir das Naheliegende und nahmen sie als Geschichtenanfang. Alle gespielten Szenen wurden sehr dramatisch.

Die für die Zuschauer intensivste Mitmachform war dann das klassische Zettelspiel, nur mit Tweets anstelle von Zetteln. Trotz Medienkunstfestival wußten wir nicht, wie Mobile-affin unser Publikum sein würde. Daher haben wir uns einen fremden Hashtag geentert. Wir wollten möglichst einen deutschen und positiven Grundbegriff . Bei Proben stellte sich heraus, dass Hashtags wie #super, #toll auch in anderen Sprachen vorkommen, und z.B. eine Timeline spanisch den Spielfluß stört. Unsere Wahl fiel auf das fantastische Wort #wunderbar. Wir hatten ca. 6-8 im Saal sich aktiv beteiligende Zuschauer und ziemlich viel Spaß. Als Visualisierung nahmen wir den Service twittbee.com.

Fazit: spannende Geschichten und etwas andere Vorgaben passieren mit Twitter. Wenn bei dem laufenden Game der Screen nicht gebraucht wurde, haben wir den Screen schwarz geschaltet. Ein permanenter Screen im Rücken lenkt aber Spieler wie vor allem Zuschauer ab. Wir Spieler haben uns das Umdrehen vorher wegtrainiert, aber der Reflex ist da. Auch das Feedback vom Publikum hinterher war ähnlich, bei Zettelspiel war die Twitterwall ein großer Aufmerksamkeitsmagnet, da müssen die Spieler richtig Gas geben und sich den Fokus zu holen. Was ja auch eine interessante Spielerfahrung ist. Wir Improbanden machen das gern in der ein oder anderen Form mal wieder.

 

Foto: Olaf Bottek (CC BY 3.0). Hier gibt es weitere Fotos.

5 Responses to “Medien und Bühne – Improtheater mit Twitter”

  1. Thi Xuan 5. Mai 2012 at 18:54 #

    Theater und Twitter zu verbinden um eine Interaktivität zu erzeugen, die sonst höchstens störendes Zwischenrufen hervorrufen könnte, ist eine klasse Idee. So wie ich das verstehe, geht das dann wirklich eher Richtung Happening.

    • macro 6. Mai 2012 at 10:32 #

      Ja es ist schon das Zusammenwirken von Spielern und Publikum, was den Charme für beide Seiten auch ausmacht. Und gerade beim Zettelspiel ist immer wieder zu sehen, das die Freude wenn der eigene Satz auf der Bühne vorkommt enorm groß ist.

  2. Axel Bungert 27. Juni 2012 at 10:09 #

    Sehr geile Ideen! Auch wir, die Taubenhaucher aus Köln, hatten schon Twitter und Youtube auf die Bühne geholt:

    http://www.taubenhaucher-impro.de/2011/12/04/emotionen-twittern/

    und

    http://www.taubenhaucher-impro.de/2012/06/21/they-picked-your-slides-and-talked-about-noodle-salad/

    Dabei haben wir uns u.a. aus dem Publikum Zahlen geben lassen und gaben diese als Koordinaten in Google Earth ein. Wir warteten die Flug-Animation ab und erreichten einen zufälligen Zielort, an dem die Szene spielte.

    • macro 27. Juni 2012 at 12:12 #

      Auch eine sehr chice Idee.

Trackbacks and Pingbacks

  1. Es ist gut, dass Smartphone in der Kulturveranstaltung « Thomas Jäkel - 7. April 2013

    […] Mit meinem Ensemble vom Theater ohne Probe, haben wir in den letzten Shows die Zuschauer aufgerufen, uns während der Pause via Twitter oder Facebook Vorgaben für die zweite Hälfte einzusenden. Die Reaktionen waren verhalten, aber die Vorgaben schön, da sie überlegt waren. Natürlich hat noch nicht jeder ein internetfähiges Smartphone, aber es werden immer mehr. Wir sind auch bei weitem nicht die einzige Improgruppe, die sich Vorschläge über diese Kanäle einholt. So fragt zum Beispiel Paternoster regelmäßig zur Pause nach Vorgaben oder auch die Improbanden experimentierten bereits mit einem Twitterfall. […]

Leave a Reply